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DuncanRockefeller DuncanRockefeller ist männlich
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Dabei seit: 04.05.2017
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Rock ist tot, es lebe der Rock Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Musikjahr 2018
Rock ist tot, es lebe der Rock
Hat die spätestens 2017 beerdigte Gitarrenmusik eine Zukunft? 2018 zeigte: Ja, wenn sie
so unpeinlich daherkommt

vonzeichen-gewitter 18.12.2018
https://blogs.taz.de/zeichen-gewitter/ro...-lebe-der-rock/


2017 war ein Annus horribilis für die Gitarrenmusik. In den amerikanischen Charts löste
„Black Music“ mit allen Spielarten von Rap, Trap und R&B erstmals den guten alten Rock
als lukrativstes Genre ab. Gitarrenhändler und-Hersteller schlugen reihenweise Alarm. Das
prägende Instrument der Rock ’n’ Roll-Ära war zwar nicht tot, roch aber schon schlecht.
Nach Bierschiss und abgestandenem Altherrenurin nämlich.

Die große Frage an das Popjahr 2018 war deshalb: Kann (Gitarren-)Rock gerettet
werden? Oder, noch wichtiger vielleicht: Soll er überhaupt gerettet werden? Schließlich
war der Niedergang der Gitarrenmusik selbstverschuldet. In seiner seit Jahrzehnten
unreformierten Form als „ehrliche, handgemachte, authentische“ Stimme der
abkippenden, mehrheitlich weiß, männlich und heterosexuellen Mittelschicht konnte er
auf (pop)kulturelle Themen der Gegenwart (Diversität, Empowerment,
Postheterosexualität, antiessentielle Identitätsbildung) keine Antworten geben.

Eine klare Antwort gab hingegen das Musikjahr 2018. Und die lautet: Ja, Gitarrenrock hat
eine Zukunft. Aber nur wenn er so relevant und unpeinlich um die Ecke kommt wie auf
beachtlich vielen Alben der letzten zwölf Monate.

In den Streamingcharts dominierten auch im Jahr eins nach dem offiziellen Tod des Rock
’n’ Roll die Drakes und Cardi Bs dieser Welt. Aber im popkritischen Diskurs spielten Gitarren
2018 wieder eine Rolle. Zumindest wenn man die Jahresbestenlisten der großen
Musikzeitschriften weltweit als Dispositiv betrachtet. War dort in den letzten Jahren
genre- und genderfluider Pop und R’n’B fast unter sich, stahl sich dieses Jahr wieder die
eine oder andere Stromgitarre in die Rankings.

Mit den Arctic Monkeys wandte sich zwar die letzte wirkliche prägende Gitarrenband der
letzten Jahre von ihrem dominierenden Instrument ab. In ihrem etwas prätentiösen
Konzeptalbum „Tranquility Base Hotel & Casino“ erklingt die Gitarre nur noch als fernes
Zitat aus einem anderen Zimmer der titelgebenden Abstiege. Und über die die
zweitklassige Led- Zeppelin-Tributeband Greta van Fleet sei mal der Mantel des
Schweigens gebreitet. Aber ansonsten war 2018 ein gutes Jahr für modernen, nach allen
Richtungen offenen Rock.

Girls with Guitars

Vielleicht wird 2018 als das Jahr in die Rockgeschichte eingehen, in dem die Frauen den
Karren aus dem Dreck zogen. Waren in den letzten Jahren Frauen mit Laptops die
Heilbringerinnen, waren es dieses Jahr Frauen mit Gitarren. Courtney Barnett machte mit“
Tell Me How You Really Feel“ einen großen Schritt vom Slackerrock ihres Debüts
„Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit“ (2015) hin zu breitenwirksamen
Rock, während mit Goat Girl die nächsten Neo-Slackerinnen aus den Startblöcken
schossen. Bei Singer-Songwriterinnen wie Lucy Dacus, Soccer Mommy, Snail Mail oder
Anna Calvi war die elektrische Gitarre eine (wichtige) musikalische Stimme unter vielen
anderen.

Aber auch männliche Acts wie Car Seat Headrest , Kurt Vile und Parquet Quort bewiesen,
wie zukunftstauglicher, fettfreier Rock ohne Eiergeschaukel klingen kann. Die Bristoler
Punkrocker Idles artikulierten auf ihrem mächtigen Album „Joy as an Act of Resistance“
nicht nur die Wut der britischen Non-Working-Class, sondern warben auch für Diversität.
„My best friend is an immigrant“ und „I kissed a boy and i liked it“ lauten die Königszitate
aus dem Album.

Und in Deutschland? Dort erinnern Tocotronic mit dem autobiografischen Song „Electric
Guitar“ wieder an das Versprechen, dass dem titelgebenden Instrument seit den 50er
Jahren anhängt: Kleinbürgerlichen Mief weg zu pusten, denen ohne Stimme eine zu
geben. Auch das ging 2018.
20.12.2018 20:57 DuncanRockefeller ist offline E-Mail an DuncanRockefeller senden Beiträge von DuncanRockefeller suchen Nehmen Sie DuncanRockefeller in Ihre Freundesliste auf
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